
Bild: pexels.com/Ksenia Chernaya
Wer heute eine Immobilie kauft, baut oder saniert, trifft eine Entscheidung, die das Haushaltsbudget über Jahrzehnte prägen wird. Die Heizung ist längst nicht mehr nur ein technisches Detail im Keller, sondern das Herzstück der wirtschaftlichen Kalkulation. In Zeiten volatiler Energiepreise und strenger gesetzlicher Vorgaben (wie dem Gebäudeenergiegesetz – GEG) rückt ein Aspekt besonders in den Fokus: Das Verhältnis zwischen einmaligen Anschaffungskosten und den laufenden Betriebskosten.
Bei der Bewertung eines Heizsystems unterlaufen vielen Laien zwei entscheidende Fehler: Sie fokussieren sich entweder rein auf den Anschaffungspreis oder rein auf den aktuellen Brennstoffpreis. Eine professionelle Wirtschaftlichkeitsrechnung nach VDI 2067 (Vollkostenrechnung) betrachtet jedoch drei Säulen:
Kapitalgebundene Kosten: Anschaffung der Anlage, Installation, Erschließung (z. B. Erdsonden oder Gasanschluss) und Kapitalkosten (Zinsen)
Betriebsgebundene Kosten: Energiekosten (Strom, Gas, Pellets) basierend auf dem Wirkungsgrad und dem energetischen Zustand des Gebäudes
Verbrauchsgebundene Kosten: Wartung, Instandhaltung, Schornsteinfeger und Versicherung
Anschaffung: Hoch (25.000 - 50.000 Euro inkl. Förderung).
Betrieb: sehr effizient (Jahresarbeitszahl von 3,0 - 5,0); die Betriebskosten hängen stark vom Strompreis und der Vorlauftemperatur ab
Eignung: ideal für gut gedämmte Neubauten oder sanierte Bestandsgebäude mit Fußbodenheizung
Anschaffung: hoch 20.000 - 35.000 Euro)
Betrieb: Brennstoffkosten oft niedriger als bei Gas/Öl, aber hoher Wartungsaufwand und Platzbedarf für die Lagerung
Eignung: größere Bestandsgebäude mit hohem Wärmebedarf
Anschaffung: moderat (8.000 - 15.000 Euro)
Betrieb: abhängig von fossilen Preisen und steigender CO2-Steuer; nach GEG meist nur noch als Hybridlösung (z. B. mit Wärmepumpe) zulässig
Eignung: Sanierung im Bestand, wenn andere Systeme technisch schwer umsetzbar sind

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Lange Zeit galt das elektrische Heizen als teuer. Doch durch hocheffiziente Technik, die Kombination mit Photovoltaik-Anlagen (PV) und sinkende Installationskosten hat sich das Bild gewandelt. Insbesondere in gut gedämmten Wohnungen oder als Ergänzung in smarten Immobilien bietet die Elektroheizung klare Vorteile.
Im Gegensatz zu den alten, ineffizienten Nachtspeicheröfen wandeln moderne Elektroheizungen elektrische Energie fast verlustfrei (1:1) in Wärme um. Man unterscheidet heute primär:
Infrarotheizungen: Nutzen Strahlungswärme, die Körper und Wände direkt erwärmt (ähnlich wie Sonnenstrahlen), was ein sehr angenehmes Raumklima erzeugt.
Elektro-Flächenheizungen: Dünne Heizmatten unter dem Bodenbelag oder in der Wand.
Konvektoren & Radiatoren: Erwärmen die Raumluft schnell und flexibel.
Der größte Vorteil liegt in den extrem niedrigen Anschaffungs- und Wartungskosten. Es werden keine Rohre verlegt, kein Schornstein benötigt und kein Brennraum gewartet. Für viele Immobilieneigentümer ist es daher sinnvoll, sich vorab eine fundierte Übersicht zu verschaffen. Wer eine moderne Elektroheizung kaufen möchte, sollte vor allem auf die Regelungstechnik (Smarte Thermostate) und die Qualität der Speichermedien achten, um die Betriebskosten zu optimieren.
Die Wahl des Systems hängt massiv vom Nutzungsszenario ab:
| System | Anschaffung | Wartung/Jahr | Energiepreis-Tendenz |
|---|---|---|---|
| Wärmepumpe | sehr hoch | gering | stabil (v. a. bei PV-Nutzung) |
| Gas-Brennwert | niedrig | mittel | steigend (COâ-Kosten) |
| Elektroheizung | sehr niedrig | nahezu Null | abhängig von PV/Stromtarif |
| Pelletheizung | hoch | hoch | schwankend |
Beispielrechnung für eine Eigentumswohnung (Sanierung):
In einer 60 qm Wohnung können die Installationskosten für eine wassergeführte Zentralheizung inklusive Rohrbau oft 20.000 Euro überschreiten. Eine moderne Elektro-Infrarotlösung lässt sich für unter 5.000 Euro realisieren. Die Differenz von 15.000 Euro deckt bei moderatem Verbrauch die Stromkosten für viele Jahre, bevor sich die teurere Investition amortisieren würde.
Es gibt keine Standard-Heizung für jede Immobilie. Während im Einfamilienhaus-Neubau die Wärmepumpe fast alternativlos ist, punkten Elektroheizungen bei der Sanierung von Etagenwohnungen, in Ferienimmobilien oder als flexible Zusatzheizung in Kombination mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage.
Gebäudezustand: Wie hoch ist der tatsächliche Wärmebedarf (kWh/qm)?
Nutzungsdauer: Wie lange ist geplant, die Immobilie zu halten? (Amortisationszeit).
Infrastruktur: Ist ein Gasanschluss vorhanden? Gibt es Platz für Pellets oder eine Außeneinheit der Wärmepumpe?
Zukunftssicherheit: Erfüllt das System die GEG-Vorgaben und reduziert es die CO2-Abhängigkeit?
Ein weiterer Ansatzpunkt sind einfache Maßnahmen und kleinere Investitionen, welche die Energieeffizienz eines Gebäudes bereits deutlich verbessern können. Ein kluger Immobilienkauf betrachtet immer das Gesamtpaket. Niedrige Nebenkosten steigern nicht nur die Lebensqualität, sondern auch den Wiederverkaufswert und die Vermietbarkeit Ihrer Immobilie nachhaltig.